Deutsche
Klein- und Nebenbahnen
Reinhard Taege
Rathenow

Die Stadt hatte einmal 5 Bahnhöfe

Von Reinhard Taege
PORTFOLIO
Fotosammlung R. Taege
Foto: R. Taege
Foto: R. Taege
 Hauptbahnhof Rathenow 1899

Der Hauptbahnhof

1872-1920 Preussische Staatsbahn > 1920-1993 Deutsche Reichsbahn > ab 1993 Deutsche Bahn.

Der Bahnhof entstand durch Bau und Eröffnung der Berlin-Lehrter Eisenbahn am 01.02.1872.
Betriebsführer war die Königlich-Preussische Eisenbahn-Verwaltung (KPEV), die Strecke führt von
Berlin Lehrter Bf. - Wustermark - Rathenow - Stendal - Oebisfelde - nach Lehrte bei Hannover.
Er ist seitdem der wichtigste Bahnhof in der ehemaligen „Stadt der Optik“.
 
Nach dem Ende der Kaiserzeit und Gründung der Deutschen Reichseisenbahnen (1920-24) gehörte er
im Anschluss: Zur Deutschen Reichsbahn-Gesellschaft (1924-37), dann zur Deutschen Reichsbahn (1937-45), danach zur Deutschen Reichsbahn der USSR-Zone (1945-49), anschließend der
Deutschen Reichsbahn (1949-1993) und ab 1993 der Deutschen Bahn A.G.
 
Anfang 1995 wurde der Bahnhof für fast drei Jahre stillgelegt, um ihn für den ICE-Streckenneubau Berlin–Hannover herzurichten. Seit dem 27. September 1998 donnern die prestigeträchtigen ICEs
durch den Hauptbahnhof. Rathenow bleibt z.Z. nur der Lärm, da keiner dieser Züge hier hält.

Geo-Position des Stationsgebäudes:
N52° 36.002' E12° 21.281'

Der Städtebahnhof

1904-1945 Brandenburgische Städtebahn >
1945-1949 Landesbahnhof > 1949-1993 Deutsche Reichsbahn (DDR) > ab 1993 Deutsche Bahn.

Eine der bedeutendsten Eisenbahnstrecken in Deutschland war die am 01. April 1904 eröffnete Brandenburgische Städtebahn-A.G von Treuenbrietzen über Belzig, Brandenburg (Havel), Rathenow
bis  Neustadt (Dosse). Die 104 Kilometer lange Privatbahn bediente unzählige Fabriken, Ladegleise und Hafenanschlüsse im Güterverkehr. In den 1930er-Jahren waren für den schnellen Reiseverkehr sogar Express-Triebwagen im Einsatz.

Fast einmalig in Deutschland: In Rathenow wurde die Verbindung für Personen zwischen dem Staats- und dem Städtebahnhof von 1904 bis 1979 durch eine 250 Meter lange Fußgängerbrücke hergestellt. Danach übernahm eine Betonbrücke weiter östlich diese Aufgabe. Ab 1995/96 gibt es einen (sehr unergonomischen) Fußgängertunnel, der die Nord- und Südseite des Bahnhofs mit einander verbindet.

Von den früheren Dimensionen des Städtebahnhofs ist nur sehr wenig erhalten geblieben,
da die Strecke nach Rathenow-Nord im Jahr 1995 abgeschnitten wurde. Für die übrig gebliebene straßenbahnähnliche Verbindung Rathenow-Brandenburg (Havel) wird nur ein Bahnsteig benötigt.
Das ehemalige Hauptgebäude der Brandenburgischen Städtebahn ist heute zweckentfremdet.  

Geo-Position des Stationsgebäudes:
N52° 35.949' E12° 21.318'

Der Bahnhof der Kreiskleinbahn

1900-1945 Kreiskleinbahn Rathenow-Senzke-Paulinenaue/Nauen (RSP/N)
Verwaltungssitz

Die RSP/N war eine Kleinbahn mit 75 cm-Spurweite, die der Verkehrserschließung zwischen den
genannten Orten diente. Eigentümer der Schmalspurbahn waren die Kreise Westhavelland
mit Sitz in Rathenow bzw. Osthavelland in Nauen.
 
Im April 1945 wurde der Betrieb auf der Kleinbahn kriegsbedingt eingestellt und konnte nach dem  Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 nur noch sporadisch bis September durchgeführt werden.
 Im selben Monat begann der Abbau des Teilstückes von Rathenow bis Kriele als Reparationsleistung  an die SU. Von Kriele bis Nauen betrieb die Deutsche Reichsbahn die verbliebene Reststrecke
bis 1961. Damit war der Kreisbahnhof in Rathenow seiner Funktion beraubt.

In den  Folgejahren bis zur Wende 1989 war ein Kindergarten der Deutschen Reichsbahn in dem ehemaligen Verwaltungsgebäude untergebracht. Da es danach keine Reichsbahn und kaum noch Nachwuchs gab, steht das Gebäude heute leer und verfällt zusehens. Hinzu kam in der Zwischenzeit ein Brand, der den Güterschuppen völlig zerstörte. Weitere Zeugnisse dieser abgeschlossenen Epoche sind der ehemalige 2-ständige Lokschuppen im Kreisbahnhof und ein (nachgeahmtes)
200 Meter langes Schmalspurgleis auf dem Dunckerplatz vor dem Hauptbahnhof.

Geo-Position des Stationsgebäudes:
N52° 36.066' E12° 21.474'

Rathenow-Nord

1910-1945 Brandenburgische Städtebahn >
1945-1949 Landesbahn BRB > 1949-1993 Deutsche Reichsbahn >
1993-2003 Eigentümer DB, Fahrbetrieb durch Prignitzer Eisenbahn > 2003 von DB stillgelegt.

Die Station entstand aus einer einfachen Holzverladestelle der Oberförsterei Rathenow, die hier aus den östlich gelegenen Stadtforst das geschlagene Rohholz auf die Städtebahn verlud. Nachdem Rathenow Mitte der 1930er-Jahre das zweites Mal zur Garnision avancierte und die Deutsche Wehrmacht im Norden der Stadt ein ansehnliches Infanterie-Kasernen-Areal geschaffen hatte,
war nun eine größere Bahnstation erforderlich.

So entstand 1935 ein neuer Bahnhof, mit großzügigen Empfangs- und Nebengebäuden.
In der Wartehalle sind sogar Fresken angebracht; die Bahngesellschaft wußte um die Bedeutung
dieser Bahnstation (für die wartenden Wehrmachtsangehörigen) und ließ sich nicht lumpen. Verladeanlagen für Militärfahrzeuge und ein Anschlussgleis in das Kasernengelände rundeten
die Ausstattung ab.

Schon früher war das Verkehrsaufkommen auf der Strecke nach Neustadt (Dosse) nie so hoch wie das in Richtung Brandenburg (Havel). Da verwundert es nicht, dass unter Berücksichtigung der Zunahme des individuellen Straßenverkehrs die Personenbeförderung nach der Wende kaum noch eine Rolle spielte. Die Prignitzer Eisenbahn (PE) befuhr von 1993 bis 2003 die Strecke Neustadt (Dosse) - Rathenow-Nord (die Verbindung zum Hauptbahnhof war bereits seit 1995 unterbrochen) mit Triebwagen. Aus wirtschaftlichen Gründen musste der Betrieb 2003 eingestellt werden.

Das war das AUS für einen weiteren Rathenower Bahnhof, der an der Theodor-Lessing-Straße lag.
Das ehemalige Stationsgebäude steht noch. Da er nachträglich unter Denkmalsschutz gestellt wurde, ist seine Zukunft aber ungewiss.

Position des Stationsgebäudes:
N52° 36.909' E12° 21.025'

 Rathenow-Süd

1915-1945 Brandenburgische Städtebahn >
 1945-1949 Landesbahn BRB > 1949-1993 Deutsche Reichsbahn >
 1993-2005 Eigentümer DB, Haltepunkt 2005 stillgelegt.

Für die Rathenower war er einfach der „Südbahnhof“, obwohl es sich nicht um einen Bahnhof, sondern  lediglich um einen Haltepunkt handelte. Er bestand aus Wartehalle und Bahnsteig, ohne Nebengleise.

Die Geschichte der kleinsten Rathenower Bahnstation zwischen der Großen Milower Straße und dem  Grünauer Weg begann 1915 während des Ersten Weltkriegs. Im 8 Kilometer entfernten Premnitz  entstand eine Pulverfabrik, die aus der Region Arbeitskräfte anzog. Deshalb richtete die  Brandenburgische Städtebahn im Süden der Stadt Rathenow den Haltepunkt ein.

Als die DB in den Jahren 2004-05 die Strecke Rathenow - Brandenburg erneuerte, wurde die Station  (ebenso wie Heidefeld) aufgelassen. Der ehemalige Haltepunkt ist verschwunden, die genaue Position  verraten die Koordinaten.

Etwa 200 Meter in Richtung Premnitz lag die Weiche, von der bis 1989 mehrere Anschlussgleise zur  Gasanstalt, zum Möbelwerk „Neuzera“ und zum „Ofen- und Herdbau“ (OHRA, früher Havelhütte)  abzweigten, sie Grafik oben.

Geo-Position des Stationsgebäudes:
N52° 35.752' E12° 20.299'